• Gülpinar Günes

«Und dann musste ich mich umorientieren» – Neustart als Triebwagenführer

Kurz vor seiner Pensionierung wechselte der gelernte Metallbauer Anton Gut als Triebwagenführer zur Pilatusbahn und gab seinem Leben eine neue Wende. Nun lebt er in Alpnachstad seine Leidenschaft für die Technik und für seine Gäste. Doch diese bleiben wegen der Coronakrise fast komplett aus.


Foto: Gülpinar Günes


Es ist ein trüber Tag für die Gäste der steilsten Zahnradbahn der Welt. Der Nebel ist dicht, die Luft feucht und der Zutrittsbereich fast leer. Nur wenige Touristen trotzen dem «grusigen» Wetter und dem kursierenden Coronavirus. Sie warten gespannt auf den nächsten Zahnradwagen, der sie an die Spitze des Pilatus bringt.


Im Führerstand des Wagens steht Anton Gut. Der 64-jährige Kottwiler (LU) ist seit 2016 Triebwagenführer der Pilatusbahnen und bestreitet diesen Sommer seine fünfte Saison. Die 60 Jahre vorher aber hatte er nicht viel mit Bergbahnen am Hut. Ausser der Faszination für Technik, die ihn seit je her begeleitet. Gemeinsam mit seiner Familie lebte und arbeitete der heute Geschiedene nämlich mehrere Jahre lang als Metallbauer und Aussendienstverkäufer in der Branche in der Westschweiz. Bis er 2014 einen Burnout erleidet. «Und dann musste ich mich umorientieren», sagt Gut nüchtern. Er beginnt, bei den Luftseilbahnen in Arosa und bei den Pilatusbahnen zu arbeiten.


Für den saisonalen Job am Pilatus – ein Kindheitstraum – hängt er sein Leben in Wil (SG) an den Nagel und zieht inenrhalt von zwei Wochen nach Alpnachstad. Eine gute Entscheidung, weiss er. Denn die Arbeit am 2128 Meter hohen Berg erfüllt ihn, wie er im folgenden Video sagt.


Video: Gülpinar Günes


Während der Fahrt dreht und zieht Anton Gut gezielt an den vielen Hebeln im Führerstand. Die wenigen Gäste schauen ihm über die Schulter und wollen einen Blick auf die vernebelte Natur erhaschen.


Zwei intensive Wochen habe seine Ausbildung zum Triebwagenführer gedauert. «Bei der ersten Fahrt ist man als Begleitung dabei, bei der zweiten steht man schon am Steuer», erinnert er sich. Die Prüfung während der Hochsaison in 2016 besteht er dennoch im ersten Durchlauf. «Das war damals aber schon sehr anstrengend», sagt er. «Man hatte keinerlei Schonfrist.» Herausfordernd sei es vor allem, den Fahrplan einzuhalten. Insbesondere, wenn die Eingangshalle voll mit Touristen ist. «Man muss speditiv arbeiten und stets freundlich bleiben. Diese Balance zu finden, muss man sich zuerst etwas aneignen.»


Die Touristen fehlen


Zurzeit jedoch fehlen die Menschenmassen, wie sie vor der Coronakrise üblich waren. An normalen Tagen habe die Bahn bis zu 2500 Gäste gezählt. Seit der Wiedereröffnung der Pilatusbahnen am 6. Juni zähle man an normalen Tagen noch lediglich 300 bis 500 Gäste. Das sei teilweise auch auf das schlechte Wetter in den letzten Wochen zurückzuführen. Die Wagen fahren fast leer hoch und runter, die Halle auf der höchsten Station Pilatus-Kulm bleibt fast leer. Das wirkt sich auch auf den Arbeitsalltag der Mitarbeiter aus, wie Gut sagt.


Zwei Tage pro Woche müssen sie zu Hause bleiben, Kurzarbeit beziehen. So könne man sich untereinander gut abwechseln, sodass alle einen Einsatz haben. «Wie lange die Situation anhalten wird, wissen wir natürlich alle nicht. Wir hoffen aber auf eine baldige Lockerung», sagt Gut. Wie sehr er die Touristen vermisst, sagt Gut im Video.


Video: Gülpinar Günes

Die steilste Zahnradbahn der Welt


Auf einer Strecke von rund 4.5 Kilometern schlängelt sich die Zahnradbahn am Pilatus von Alppnachstad an die Spitze des Berges. Stellenweise beträgt die Steigung 48 Prozent: Das ist weltweit einzigartig. Um die Steigung zu überwinden, werden zwei horizontal liegende Zahnräder und eine Zahnradstange eingesetzt, die zentral verläuft.


Das augeklügelte Zahradsystem wurde vom Ingenieur Eduard Locher erfunden. 1889 wurde die Bahn erstmals in Betrieb gesetzt und lockte viele Schaulustige an. 2014 feierte das Unternehmen 125-jähriges Bestehen.


Video: Youtube

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